Im Anschluss an das Champions-League-Spiel des FC Bayern München gegen Paris Saint-Germain (1:1) ist über zwei Entscheidungen des portugiesischen Schiedsrichters João Pinheiro diskutiert worden. In der 29. Minute hat Nuno Mendes, der Außenverteidiger von PSG, der in der achten Minute wegen eines Fouls die Gelbe Karte gesehen hatte, den Ball während eines Angriffs der Bayern mit dem vom Körper abgespreizten Arm gestoppt. In der eigenen Spielfeldhälfte, zwischen Mittelkreis und Strafraum, an der Außenlinie. Doch als der Schiedsrichter dann pfiff, entschied er nicht auf Freistoß für München, sondern auf Freistoß für Paris. Warum? Weil knapp zwei Sekunden bevor Mendes den Ball mit der Hand gestoppt hatte, Konrad Laimer den Ball mit der Hand mitgenommen haben soll. Im Re-Live-Stream des Spiels sieht man, dass Pinheiro direkt nach seinem Pfiff die Daumen-hoch-Geste in Richtung Seitenlinie macht. Dort stand der vierte Offizielle, der den Schiedsrichter mutmaßlich auf das angebliche Handspiel von Laimer hingewiesen hatte. Der Hinweis ist von den Vorschriften des International Football Association Board (IFAB) gedeckt. Unter Regel 6 steht: „Die weiteren Spieloffiziellen auf dem Spielfeld unterstützen den Schiedsrichter bei Vergehen, wenn sie eine bessere Sicht haben als der Schiedsrichter.“ Man kann darüber diskutieren, ob der vierte Offizielle in diesem Fall wirklich die bessere Sicht gehabt hat, weil er, wie Pinheiro, nicht von vorn darauf schaute, sondern eher von hinten seitlich. Allerdings nahm Laimer den Ball mit der rechten Körperseite mit und damit schon mit der Seite, auf die der vierte Offizielle wohl einen besseren Blick hatte. Bei der Ballmitnahme im Lauf hatte Laimer den Arm an den Körper angelegt, wie Spieler das in solchen Situationen oft machen, aber in den Zeitlupen ist nicht zu erkennen, dass er den Ball mit dem Arm oder der Hand berührt hätte. Pinheiro hat dennoch auf Handspiel entschieden. Es ist daher ein erwähnenswertes, aber letztlich nachrangiges Detail, dass er nach seinem Pfiff erst in Richtung des PSG-Tores gezeigt hat, was bedeutet: Freistoß für den FC Bayern. Weil er das aber sofort korrigierte, wird die Frage, was sonst gewesen wäre, eine hypothetische bleiben. Die hypothetische Antwort: Er hätte Mendes, weil die Ballberührung mit dem Arm einen aussichtsreichen Angriff unterband, wohl mit einer zweiten Gelben und so mit einer Gelb-Roten Karte bestrafen müssen. In der 31. Minute hat dann der Mittelfeldspieler Vitinha den Ball aus dem eigenen Strafraum geschossen und dabei aus knapp fünf Meter Entfernung die in die Höhe gestreckte Hand seines ebenfalls im Strafraum stehenden Mitspielers João Neves getroffen. Der Schiedsrichter entschied nicht auf Strafstoß und handelte damit im Sinne des IFAB. In dessen Erklärungen zur Handspielregel steht, dass es kein Vergehen sei, wenn der Ball vor einem Handspiel vom eigenen Mitspieler gespielt wurde – außer, der Ball geht von der Hand direkt ins gegnerische Tor oder der angeschossene Spieler erzielt danach ein Tor.
